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Der Papiertiger: EMMA

 
   
   
   
   
   
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Der Papiertiger ist eine Enzyklopädie des Sadomasochismus, zusammengestellt von Datenschlag. Hier versuchen wir, möglichst umfassend, Begriffe aus dem SM-Bereich zu erklären.



Größte und bekannteste feministische Zeitschrift in Deutschland, gegründet 1977 von der Herausgeberin und Verlegerin Schwarzer, Alice. EMMA muß sich den Vorwurf gefallen lassen, zeitweilig wenig mehr als das persönliche Sprachrohr von Alice Schwarzer zu sein; deswegen werden die beiden Einträge größtenteils hier zusammengefasst.

EMMA hat unbestritten grosse Leitungen in der Sache der Gleichberechtigung der Frau errungen, insbesondere in den ersten Jahren. Auch muß Alice Schwarzer Respekt für ihren Arbeitswillen und Entschlossenheit gezollt werden, unter enormen persönlichen Opfern und Anfeindungen ihre Arbeit durchgezogen zu haben. EMMA war massgeblich an einer Verschärfung der Gesetze in Deutschland im Bezug auf Kinderpornographie beteiligt und hat etlichen extremen Auswüchse von blankem Sexismus (wie dem Zielschießen von Schweizer Soldaten auf Bilder von Brüsten und Schenkeln) Einhalt geboten1. Indirekt ist durch die Arbeit von EMMA viel dazu beigetragen worden, die Lage von missbrauchten Frauen über die Einrichtung von Frauenhäusern und Anlaufstellen bei Vergewaltigungen zu verbessern.

Gegenüber dem Sadomasochismus haben EMMA und insbesondere Alice Schwarzer eine Einstellung, die aus einem stereotypen Satz unerschütterlicher Vorurteile besteht. Diese Vorurteile stammen, wie viele Prinzipien von EMMA, praktisch unverändert aus dem radikalfeministischen Dogma der 60er Jahre und haben inzwischen einen rituellen Charakter, der ein Nachdenken über sie oder gar eine Infragestellung unmöglich zu machen scheint.

Grundlage für die extreme Ablehnung bis zum Punkt der Realitätsverleugnung ist das Dogma, es handle sich beim Sadomasochismus um eine Form der Gewalt gegen Frauen. Während das allein noch in genügend Köpfen herumspukt, um an sich nichts Besonderes zu sein, erhält diese Frage durch die PorNO-Kampagne in diesem Fall eine besondere Bedeutung. Die 1978 ins Leben gerufene Aktion hat das Ziel, durch eine Aufstellung einer massiven Zensur (in ihrem Gesetzesentwurf von 1987 wird selbst die wissenschaftliche Arbeit eingeschränkt) die pornographische Darstellung von Mädchen und Frauen zu verbieten. Grund dafür ist die aus den 60ern erhaltene Vorstellung, daß der Hauptzweck jeder Pornographie nicht die sexuelle Erregung beim Betrachter, sondern die Unterdrückung der Frau ist (siehe auch Pornographie und Vergewaltigung). Während diese auf Außenstehende etwas paranoid wirkende Vorstellung vom Großteil der Bevölkerung und auch moderneren Feministinnen inzwischen abgelehnt wird, besteht sie bei EMMA unverändert weiter. In ihrem Gesetzesentwurf zur Pornographie heisst es1:

Die Definition geht davon aus, daß der zentrale Sinn der Pornographie die Propagierung und Realisierung von Frauenerniedrigung und Frauenverachtung ist.

sowie:

Pornographisch sind diejenigen Darstellungen zur sexuellen Anregung, die Frauen erniedrigen, sie in einer Ohnmachtsposition gegenüber Männer zeigen und zum Frauenhass oder gar Mord aufstacheln.

Ergänzend muß man hinzufügen, dass in den Vorstellungen von EMMA der Verwendung von Pornographie als Machtinstrument eine weltweite Verschwörung der Männer zugrunde liegen soll1:

Der heimliche Lehrplan der Museen vermittelt Frauen nicht als Handelnde ... sondern als Objekte männlicher Kunstübung, als "Männersache".

Im Fall der Stern-Klage 1978, dessen Auslöser ein Bild von Newton, Helmut von Grace Jones (von EMMA in1 salopp als "eine Schwarze" bezeichnet) heisst es in der Klageschrift:

Nicht nur die Art und Weise der Darstellung, sondern auch ihre Summierung deutet darauf hin, dass System dahintersteckt.

(Die Tatsache, dass es sich bei der Frau auf dem Cover um Grace Jones und nicht eine beliebige Schwarze handelt, ist wichtig, wenn man weiß, dass die Sängerin von sich aus deutlich einen Bezug zum Sadomasochismus als Teil ihres Images aufgebaut hat - siehe die Abbildung unter Musik und den Film Boomerang. Es ist unklar, ob das Gericht von dieser Tatsache unterrichtet wurde.)

Die Liberalisierung der Pornographie in Deutschland in den 70ern wird auch nicht als das Ergebnis von gesellschaftlichen Umwälzungen Ende der 60er gesehen, sondern als

... Reaktion auf die Frauenbewegung, deren Forderungen nach gleichen Rechten und Provokationen mit verstärkten Demütigungen der Frauen beantwortet wurden.

Faszinierend an dieser Darstellung ist auch, dass das Gebiet der homosexuellen männlichen Pornographie und der Frage, wie diese als Mittel zur Unterdrückung der dargestellten Personen dienen soll, völlig ignoriert wird. Schwarzer äußerte 1988 dazu nur:

Es geht bei der Pornographie ganz zentral um die Schaffung eines entwürdigenden Frauenbilds. Natürlich gibt es auch betroffene Männer, zum Beispiel in der Homosexuellen-Pornographie, wo die schwächeren Männer sozusagen zu Frauen degradiert werden.

Die Homophobie im letzten Teil ist vielleicht weniger schockierend als die völlige Unkenntnis über Menge und Inhalte der sadomasochistischen homosexuellen Pornographie, wie sie von Künstlern wie Mapplethorpe, Robert geschaffen wurde. Tatsächlich stellt die schwule Pornographie für die Vorstellung von Pornographie als ein Mittel zum Machtmissbrauch ein nicht lösbares Problem dar und ist einer der Gründe, warum der restliche Feminismus die These aufgegeben hat. Es ist nicht einzusehen, wer hier genau wen unterdrückt, welche Machtstrukturen hier gesellschaftlich entstehen sollen. Als das radikalfeministische Dogma zur Pornographie in den 60ern entstand, war das kein Problem, weil die Homosexuellen eine verfolgte Minderheit im Untergrund waren, deren Pornographie weder von der Verbreitung noch der Menge von Belang war. Es ist charakteristisch, daß EMMA lieber dieser Frage durch Ignorieren aus dem Weg geht, als sich mit den Konsequenzen einer völlig Frauen-freien Form der Pornographie für ihre Theorie auseinanderzusetzen.

EMMA hat seit 1978 eine beträchtliche Menge Geld, Zeit und besonders Ansehen in die PorNO-Kampagne gesteckt; zeitweilig scheint sie das einzige greifbar Ziel der Gruppe zu sein. Selbst wenn sie es wollten, können sich weder EMMA noch Alice Schwarzer inzwischen den Gesichtsverlust leisten, sie als gescheitertaufzugeben oder zuzugeben, dass sie auf völlig falschen Voraussetzungen beruhte: Die Verbindung von Pornographie und Gewalt ist zu einer zentralen Existenzgrundlage für EMMA geworden. Und da die Mehrheit der Bevölkerung (von Wissenschaftlern ganz zu schweigen) nicht einsehen kann, warum Mainstream-Pornographie, wie sie von Playboy verbreitet wird, Gewalt darstellen oder gar erzeugen soll, müssen hier wieder die Perversen herhalten, dereen Pornographie schon seit immer in das Schema der Gewalttätigkeit passt. Ohne die Möglichkeit, sich in sensationeller Weise auf Folterfilme oder vermeindlichen Snuff beziehen zu können, würde das Publikum auf EMMAs Ideen noch gleichgültiger reagieren.

Damit wird es aber auch für EMMA und Alice Schwarzer unmöglich, zuzugeben, dass Sadomasochismus und reale Gewalt etwa soviel miteinander zu tun haben wie Fische mit Fahrrädern. Sadomasochisten als gefährliche Gewalttäter und Triebtäter darstellen zu können, ist inzwischen das Lebensblut der PorNO-Kampagne, und bis diese aufgegeben wird, können Sadomasochisten weiter damit rechnen, von EMMA und Alice Schwarzer mit den schlimmsten Vorurteilen der 60er belegt zu werden.

Dadurch erklärt sich auch der für Außenstehende schwer nachvollziehbare Hass, den Schwarzer und EMMA insbesondere für weibliche Sadomasochisten aufbringen. Zu dem Dogma der Radikalfeministen gehört schließlich auch, daß trotz der Cool Water Werbung, Chippendales und Playgirl nur Männern Pornographie konsumieren. Während es für diese Klasse von Feministinnen daher keinen großen Unterschied zwischen männlichen Sadomasochisten und Männern allgemein zu geben scheint - alle Männer, so könnte man meinen, sind Sadomasochisten, schließlich konsumieren sie ja alle Pornographie - und sie damit nicht besonderer Anfeindungen würdig sind, sind es Frauen, die aus freien, eigenen Stücken ihre Sexualität in diese Richtung ausleben, die am vehementesten angegriffen werden. Schwarzers berühmtester Ausspruch dazu, der zuerst in EMMA Heft 2, 1991 auftaucht, lautet im gewohnten, militaristischem Stil (s.u.):

Weiblicher Masochismus ist Kollaboration!

mit dem Feind, natürlich dem Mann. Die Existenz weiblicher Masochistinnen wird von Schwarzer wiederholt völlig abgelehnt:

FEHLT, hab ich aber irgendwo

wie auch weibliche Phantasien in dieser Richtung für sie selbst nur Phantasieprodukte sind:

Diese passiven, sich den Mächtigen anpassenden und unterwerfenden Phantasien von Frauen sind keine Realität.

In einem Aufsatz in1 vervollständigt Giesela Breiting das Bild, indem sie auch noch die Existenz von Frauen mit Top-Neigungen bestreitet:

Daß weibliche Gewaltphantasie gegenüber Männern erotisch bwz. sexuell intendiert sein soll ... ist eine psychologische Unmöglichkeit.

(Ist eventuell ein Alice Miller-Zitat, nachprüfen)

Und weiter:

Daß Frauen auf diese Weise sexuell erregt werden können, dürfte zudem kaum realistisch sein.

Interessant dabei ist, daß die Gruppe um EMMA damit genau die 110 Jahre alten Vorstellungen von Freud, Sigmund übernimmt, die sie sonst so vehement zu bekämpfen vorgeben. Siehe dazu auch Geschichte der Forschung.

Wie es angesichts der fast schon als Flut zu bezeichnenden Menge an Literatur von Frauen über ihre sadomasochistischen Neigungen und der zunehmenden Anzahl von Frauen in den sadomasochistischen Organisationen (siehe dazu auch2) zu einem derartigen Verlust an Kontakt zur Realität kommen kann, ist schwer nachvollziehbar. Dieses Augenverschließen geht anscheinend sogar soweit, dass Daten aus den eigenen Büchern ignoriert werden: In1 wird darauf hingewiesen, dass in einer Studie jede dritte Frau (38%) Vergewaltigungsphantasien hat. Diese Phantasien werden zwar korrekt dahingehend interpretiert, daß sie nicht den Wunsch nach einer echten Vergewaltigung ausdrücken, jedoch werden sie nicht als legitime und originäre Phantasien der befragten Frauen betrachtet sondern einzig als Mechanismus, Pornographie erträglich zu gestalten.
Und im Zusammenhang mit Zensur im Internet wird als Gegenstimme sogar folgende Passage abgedruckt:

Das meiste, was da abläuft, ist freundlicher SM, so zum Beispiel eine lange Diskussion darüber, warum Käfigaktionen das gegenseitige Vertrauen der Beteiligten fördern.

Solche Sätze stoßen aber auch hier auf taube Ohren; die Autorin des Artikels wechselt sofort das Thema, offensichtlich ohne verstanden zu haben, worum es in dem Satz eigentlich ging. Freundlicher SM ist kein Begriff, der bei EMMA zugelassen ist, weil er im Rahmen des Gewalt-Dogmas ein Paradoxon darstellen würde.

Zu der Vorstellung einer eigenen kleinen Welt passt die Tatsache, dass EMMA die Angewohnheit zeigt, auch neutrale Darstellungen als frauenfeindlich anzuprangern oder zu interpretieren. Ein Beispiel dafür ist in EMMA 1995 auf der letzten Seite, wo eine Werbung mit einer Handschelle an einem Bettpfosten für die Firma als sexistisch angeprangert wurde; nirgendwo in Bild oder Text findet sich allerdings ein Hinweis darauf, welchem Geschlecht Top oder Bottom angehören.

Ernster ist in diesem Zusammenhang die Tendenz, alle möglichen Frauenbilder als Bilder von ermordeten Frauen zu interpretieren, bzw. der näher unter Pornographie und Vergewaltigung besprochene unerschütterliche Glaube an Snuff (siehe dort). Mit welcher Berechtigung EMMA behauptet, die 1986 im Wiener dargestellten Bilder von Thomas Glover stellten ermordete Frauen dar, ist nicht nachvollziehbar. Bei Newton, Helmuts Bildern von eigentlich quicklebendigen Frauen geht Schwarzer noch weiter:

Nichts scheint Newton so anzumachen wie der erkaltete Frauenkörper, die weibliche Leiche. Aber zuvor muss sie getötet, muss sie geschlachtet werden. Und dazu liefert der Zeremonienmeister des Sadomasochismus den Stoff, aus dem die Träume, Begierden - und die Taten sind.

Warum ausgerechnet Helmut Newton, bei dem der Anteil von sadomasochistischen Bildern nicht gerade hoch ist, den Titel des Zeremonienmeisters des Sadomasochismus verdienen soll, ist besonders Sadomasochisten unklar. Später zeigt Schwarzer in1 auch Assoziationen zu Dessous, die selbst bei einem aussergewöhnlich phantasievollen Sadomasochisten seltsam erscheinen würden:

Längst bieten die Kaufhof-Wäscheabteilungen Dessous an, die es bis vor ein paar Jahren nur in Spezialgeschäften am Bahnhof gab. Von Erotik ist da wenig die Rede, von Unterwerfung viel.

Lautstark propagiert wird auch eine Verbindung zwischen Sadomasochismus und Faschismus. Das genaue Ausmaß dieser Gleichsetzung ist etwas schwierig gegenüber der allgemeinen Tendenz von Schwarzer und anderen Radikalfeministinnen ihrer Schule abzugrenzen, Parallelen zwischen ihnen unliebsamen Menschen und Begebenheiten mit dem Faschismus zu ziehen. Prominentestes Opfer ist bisher der jüdische Künstler Newton, Helmut, dessen Familie teilweise in deutschen Konzentrationslagern starb (1, auch3) und dem Schwarzer aus einem Bild von Birken in Wien gleich eine Verbindung zum Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau andichtete1. Die ebenfalls jüdische Künsterlin Bettina Rheims wurde mit der KZ-Aufseherin blutige Brigyda verglichen, wogegen sie - im Gegensatz zu Newton - Strafanzeige wegen Beleidigung stellte3. Und in1 finden wir Zitate verschiedener Feministen aus dem EMMA-Umfeld wie:

Im Hinblick auf Sexualität schafft Pornographie für Frauen und Kinder die gleichen Bedingungen wie im Konzentrationslager.

In diesem Krieg sind die Zuhälter, nämlich die, die Pornos produzieren, sozusagen die SS [...].

Von Männern mit sadomasochistischen Phantasien wird spekuliert:

... das sind vermutlich die dieselben brutalisierten, menschenverachtenden jungen Männer, die jetzt die neuen Rechten wählen ...

Überraschend ist allgemein beim Studium von EMMA der ausgeprägte Militärismus. Für eine Gruppe von Menschen, die von sich behaupten, gegen Gewalt zu sein, ist die Wortwahl fast aller Schreibenden von Kriegsbegriffen nur so durchtränkt:

Pornographie ist Kriegspropaganda gegen Frauen.

Wir wollen sie (die Pornohersteller) zerstören, ihnen nicht nur höfliche Grenzen setzen, sondern sie tatsächlich vernichten.

Die Propagierung des weiblichen Masochismus durch Männer ist ein Angriff, durch Frauen ist es Kollaboration mit dem Feind.

In diesem Krieg kämpfen Männer gegen Frauen; Kriegsschauplatz ist die USA.

An dieser Stelle heisst es weiter (EMMA 2-91, Seite 20):

Es ist der ewige Krieg. Sicher, Kollaborateure gibt es in allen Kriegen.

Schockierend sind weiterhin der Sexismus, der an Stellen wie dem Gesetzesentwurf zum Verbot der Pornographie am deutlichsten auftaucht. Dort sollen ausdrücklich nur Frauen und Mädchen in Schutz genommen werden, die Männer können weiter erniedrigt, verletzt, vergewaltigt, von Tieren genommen, gefesselt, geschlagen, misshandelt, verstümmelt oder zerstückelt werden. Offensichtlich liegt das Ziel von EMMA nicht darin, Menschen allgemein zu schützen, sondern nur Frauen. Und über Männer wird in1 ausdrücklich gesagt:

Männer haben weder die Fähigkeit noch das Verlangen, zu trennen und zu unterscheiden und wenigstens manche Frauen als ihresgleichen anzuerkennen.

Die Männerfeindlichkeit bis hin zu offensichtlichen Vernichtungsphantasien der Radikalfeministinnen schlägt bis in den Humor, z.B. in den Kalendern aus dem EMMA-Verlag durch:

Was ist ein Mann in Salzsäure? -Ein gelöstes Problem. (Nov. '97)

Am schockierendsten ist und bleibt aber, besonders in diesem Zusammenhang, die Art, mit der EMMA und Alice Schwarzer mit sexuellen Minderheiten umgehen. Es sind nicht nur die Sadomasochisten, die bei der Windmühlenschlacht um eine Welt ohne Nacktheit unter die Räder kommen, sondern auch die sicher viel etabliertere Gruppe der Homosexuellen, besonders der Schwulen. Es muss in Anbetracht der Tatsache, daß EMMA Fehlt eine ganze Ausgabe nur über die Rechte von Tieren herausbrachte, aber nie eine über Homosexuelle oder gar Sadomasochisten, die Frage erlaubt sein, ob die Rechte von Tieren der Redaktion wichtiger sind als die Rechte sexueller Minderheiten.

Unklar bleibt, warum AS es mit einer derartigen Hartnäckigkeit darauf anlegt, sich unnötig Feinde zu schaffen. Homosexualität, Sadomasochismus und Gleichberechtigungsgruppen haben mehrere Schnittbereiche (z.B. Gewalt gegen ihre Mitglieder, Vergewaltigung, Diskrimierung am Arbeitsplatz) wo eine Zusammenarbeit einen Angriff, um die Sprache der EMMA-Feministinnen aufzugreifen, von mehreren Seiten bedeuten würde. Da alle drei Gruppen nur über beschränkte Resourcen verfügen, ergibt dieser Vorschlag noch mehr Sinn. Stattdessen scheint besonders Alice Schwarzer es betont darauf anzulegen, sich potentielle Verbündete oder auch nur mögliche Zweckverbindungen schon im Vorfeld durch rauschartige Ergüsse von 60er-Jahre Dogma unmöglich zu machen.

Man wird allgemein den Eindruck nicht los, daß die Gruppe um EMMA in ihrer eigenen kleinen Welt auf dem Stand der 60er Jahre verharren und daran auch nichts ändern wollen. Hier stellt sich die Frage, ob der von ihnen bemängelte Backlash wirklich eine Gegenbewegung ist oder nur ihre Perspektive einer Gesellschaft, die sich an ihnen vorbei weiterentwickelt hat.

Es muß auch gefragt werden, ob sich Alice Schwarzer und EMMA bewusst sind, dass ihre Feindschaft gegenüber den Sadomasochisten wieder einmal genau die Menschen zum Opfer macht, die sie zu schützen vorgeben: Die Frauen. Wie unter Vergewaltigung genauer beschrieben, können missbrauchte Sadomasochistinnen bei diesen Geschlechtsgenossen im besten Fall Unverständnis, im schlimmsten Fall Hohn und Spott erwarten. Warum Sadomasochistinnen, die nun mal entgegen allen radikalfeministischen Dogmen doch in grossen Zahlen existieren, weniger Recht auf Schutz und Hilfe von Seiten der Frauenbewegung haben sollen, ist nicht einzusehen und stellt eine Form der Diskriminierung dar, die nicht von EMMA und Alice Schwarzer angeprangert wird, sondern im Gegenteil massgeblich von ihnen erzeugt wird.

Nachdem das Internet von EMMA jahrelang verteufelt wurde ist der Verlag seit Ende 2002 auch online.

Literaturhinweise:

1 Schwarzer, Alice (ed.):
    PorNO. Opfer & Täter. Gegenwehr & Backlash. Verantwortung & Gesetz.  [Details]
2 Wetzstein, Thomas A. / Steinmetz, Linda / Reis, Christa / Eckert, Roland:
    Sadomasochismus - Szenen und Rituale  [Details]
3 Seim, Roland / Spiegel, Josef (ed.):
    Ab 18 - Zensiert, Diskutiert, Unterschlagen  [Details]

 

Synonyme: PorNO-Kampagne

Siehe auch: Newton, Helmut, Zensur

Auf diesen Eintrag verweisen: Christentum, Lesben, Mano Destra, Musik, Mut zur Demut, Newton, Helmut, Pornographie und Vergewaltigung, Schwarzer, Alice, SM-Welle, Snuff, Uebelmann, Cleo

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Kommentare und Ergänzungen zu diesem Papiertiger-Eintrag:
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Stand: 27.01.2003.

 

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